Wenn der Wahlkampf dich nieder reißt

Geschafft! Der Wahlkampf ist vorbei und ich habe auch noch mit einem recht beachtlichen Ergebnis abgeschlossen. Im „schwarzen“ Sauerland habe ich mit 7% die drittmeisten Stimmen der Direktkandidaten erreicht. Und zwar aus dem Stand!

Bis vor etwa einem halben Jahr gab es hier noch keine aktiven Piraten im Wahlkreis. Jetzt werden es langsam mehr. Endlich.

Doch die meiste Arbeit im Wahlkampf musste ich erst einmal alleine erledigen. Ich wollte ja auch viel machen, ich möchte ja schließlich etwas erreichen.

Nun ist der Wahlkampf vorbei und ich komme endlich mal dazu zusammenzutragen, was ich so alles gemacht habe.

Aufgefallen sind mir dabei die Kilometer, die ich dabei zurück gelegt habe. Über 700km. In Worten Siebenhundert! In weniger als 2 Monaten. Und das sind nur die Fahrten, die über 20km waren und die ich sonst nicht gemacht hätte. Stammtisch und Crewtreffen sind schon nicht dabei (auch knapp 100km).

Woher kommt eine so hohe Zahl?

Ich wohne in Brilon, im Hochsauerlandkreis. Das ist der flächenbezogen größte Kreis in NRW. Das nächste Dezentrallager liegt in Soest. Das sind pro Fahrt fast 60km.

Als ich für einen Infostand einen Pavillon brauchte, war der nächste in Soest zu bekommen. Ein Infostand soll auch repräsentativ aussehen. Und da ich hier (noch) über keine Schirme oder ähnliches verfüge, blieb mir nichts anderes als nach Soest zu fahren. 120km. Zurück musste ich ihn zum Glück nur bis Meschede bringen. Aber auch das waren mal eben 50km.

Als Plakate geliefert wurden, mussten diese auch in Soest abgeholt werden. 2 mal, weil es 2 „Wellen“ von Plakaten gab. Dazu noch Infomaterial etc.

Beim Plakatieren war ich froh Gebiete wie Winterberg und die westlichen Mescheder Dörfe an andere abtreten zu können. Aber den Rest musste ich erstmal selber abfahren.

Das alles habe ich – wie gesagt – ja auch gerne getan.

Aber ich wollte mich damit nicht ruinieren!

Jetzt, nach der Wahl, hatte ich gehofft wenigstens einen Teil der Kosten erstattet zu bekommen.

Sprit ist schließlich nicht billig.

Eine kurze Anfrage auf Twitter, ob es überhaupt möglich sei, wurde damit abgeschmettert, dass ich es vorher hätte beantragen müssen. Bitte was? Ich stecke mitten im Wahlkampf, die meisten Fahrten mussten spontan geschehen und ich soll vorher beantragen, ob ich Unterstützung bekomme?

1. Woher sollte man das denn wissen?

2. Wie sollte das bitte geschehen?

3. Hätte ich lieber keine Plakate etc. holen sollen und darauf hoffen, dass sich die Leute hier von selber informieren? Aus der Bildzeitung oder schwarz-gefärbten Medien? Sollte ich einfach hoffen, dass die Plakate von selber an ihre Orte fliegen?

Was ich mir wünsche ist eigentlich kein Geld, das würde den nächsten Monat aber leichter machen. Denn im Moment sind die Aussichten so, dass ich entweder den lange geplanten Urlaub wegen Taschengeldmangels streichen muss (das wäre mein erster richtiger Urlaub seit 9 Jahren gewesen) oder mich erstmal nur noch von Nudeln ernähre.

Was ich mir dabei aber viel mehr Wünsche, ist Anerkennung der erbrachten Leistung. Und dass ein Umdenken in der Partei stattfindet.

Man kann ländliche Gegenden und Flächenländer wie das Sauerland einfach nicht mit Großstädten vergleichen! Hier kann man nicht einfach mal ein paar Plakate aufhängen und die werden dann von tausenden Leuten am Tag gesehen. Hier muss man wirklich für jede einzelne Stimme kämpfen. Hier muss man erhebliche Strecken zurück legen, um sich überhaupt mal mit anderen Piraten treffen zu können. Hier kann man sich für einen Stammtisch nicht mal eben in den Bus oder Zug setzen, weil auf dem Rückweg meist keine Verbindung mehr besteht.

Und mit den wenigen Aktiven, die wir bisher waren, war das alles nicht gerade leicht.

Im Moment habe ich einfach das Gefühl, dass man als Wahlkampfvieh abgestempelt wird. Hauptsache viele Stimmen sammeln, wie ist egal.

Dass das alles neben dem Job geschehen muss, dass dafür jede freie Minute, jeder „freie“ Cent (den es eigentlich nicht gab) geopfert wurde, scheint egal zu sein.

Stattdessen sitze ich jetzt hier mit einem Haufen Arbeit vor mir (der Aufbau im Sauerland soll ja weiter gehen) – die ich gerne erledigen werde – und bin den Tränen nahe, weil ich langsam nicht mehr weiß, wie ich den nächsten Monat schaffen soll. Nachdem ich meine Lage mal auf Twitter geäußert habe, wollten die ersten schon Care-Pakete schicken. Etwas, das ich normalerweise niemals annehmen würde, weil es immer Leute gibt, denen es wesentlich schlechter geht als mir. Aber diesmal muss ich es wohl annehmen.

Ich hoffe bis zum nächsten Wahlkampf hat sich in der Richtung einiges getan. Sonst werde ich daran nicht teilnehmen können.

Update: Wow! Nicht nur, dass ich von der Resonanz überrascht bin, es gab sogar Leute, die bereit waren mir etwas zu spenden. Neben einer kleineren Spende habe ich eine über 500€ erhalten. Das ist unglaublich!
So viel werde ich für meinen Urlaub wahrscheinlich nicht brauchen. Daher habe ich entschieden alles was über bleibt weiter zu reichen. Einen Teil werde ich an Daniel Wagner weiterleiten, der als Direktkandidat in HSK I auch hohe Kosten hatte. Den Rest werde ich an das Piratenbüro im HSK spenden. Dort wird es für die weitere Aufbauarbeit hier im Kreis gut verwendet werden. Wer das auch möchte, kann auf der Homepage der Piraten HSK die entsprechenden Daten finden.
Ein Versprechen musste ich dafür aber abgeben: Ich werde auch weiterhin durch und durch Pirat bleiben! (Ist mir natürlich nicht schwer gefallen das zu versprechen. ;) )
Ich hoffe ich konnte durch meinen Artikel auch eine Diskussion anregen, damit für die Zukunft Lösungen für solche Fälle gefunden werden und auch mal mehr an die Gegebenheiten im ländlichen Raum gedacht wird.
Vielen Dank an alle!

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5 Kommentare to “Wenn der Wahlkampf dich nieder reißt”

  1. Danke! Also für deinen Einsatz! 7% im Sauerland sind in der Tat beachtlich.
    Durch Formalfoo und so kann der LV da aber keine Parteimittel locker machen. :-/
    Bin mir aber sicher, das es einige gibt, die dir helfen würden, müssten nur wissen wie…

    • Ich bin gerade vom Feedback überwältigt. Hätte nicht gedacht, dass es Leute gibt, die da spontan was spenden möchten.
      Normalerweise würde ich – wie gesagt – so etwas nie annehmen, aber ich kann es im Moment sehr gut brauchen.
      Wer möchte, kann mich gerne per Mail (florian.otto at piratenpartei-hsk.de) kontaktieren.
      Ich werde morgen mal eine Übersicht meiner Ausgaben bzw. Fahrten Posten.
      Und der Transparenz wegen werde ich alle Spenden anonym (es sei denn es wird anders gewünscht) posten.

  2. Blöde Frage, aber lassen sich nicht speziell für Landtagswahlkäpfe zweckgebundene Spendenkonten einrichten, um wenigstens einen Teil der Kosten auch nachträglich zu ersetzen?

    Man könnte ja auch vorher klären, wer aktiv Wahlkampf betreibt. Auf diese Weise könnte der LV das Ganze etwas steuern, delegieren und Redundanzen vereinen. So wäre man zwar vorher gezwungen, sich als aktiver Wahlkampf-Pirat anzumelden, Möglicherweise auch eine etwaige Schätzung der Ausgaben angeben, um dann bis zu einem gewissen Höchstbetrag Quittungen zu sammeln.

    Für den Einsatz und die Aufopferungsbereitschaft wird sicherlich kein Geld fließen, aber zumindest Materialkosten und möglicherweise auch weitere Ausgaben, die sich auch im Nachhinein noch nachvollziehen lassen.

    Ich wäre sehr an einer bundesweiten, also auch länderübergreifende Ansätze, wenn es sein muss. Nächstes Jahr werde ich auch in Bayern Wahlkampf betreiben und werde auch vieles aus eigener Tasche finanzieren, aber vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, diesen eben a) etwas zu steuern und b) finanz. Mittel in Anspruch zu nehmen.

    Ich bin mir sicher, dass sich geeigenete Konzepte diskutieren und finden lassen.

    PS; Vielen Dank für deine Mühe, gerade auch, dass du dich zeitlich aufgeopfert hast!
    PPS Guter Einsatz, tolles Ergebnis!!

    • Ich hatte anfangs auch gedacht bzw. mal von irgendwem gehört, dass es für solche Sachen ein Budget gäbe. Aber um mich genau zu informieren fehlte auch einfach die Zeit. Ich bin jetzt etwas mehr als ein halbes Jahr aktiv und hatte daher keine Erfahrungen, was das angeht. Ich bin also quasi mit Vollgas eingestiegen.
      Es wäre schön, wenn es da wirklich mal ein Budget für gäbe, aber ich sehe auch ein, dass die finanziellen Mittel der Partei recht klein sind. Jedoch muss einfach mal ein Umdenken in der Partei stattfinden, damit endlich verstanden wird, dass ländliche Gegenden mit Großstädten nicht vergleichbar sind.
      In Bayern wirst du solche Probleme bestimmt noch eher kennen, bei euch gibt es ja sicher wesentlich mehr (Wahl)Kreise, in denen man auch viel fahren muss.
      Eine Diskussion dazu muss auf jeden Fall mal her. Und vielleicht habe ich mit diesem Artikel ja mal einen Denkanstoß liefern können.

      • Witzig, dass du das sagst, genau wegen dieser absurd großen und fast sinnlos ländlichen Stimmkreisen, ist es eben auch fast unmöglich die ländliche Bevölkerung zu bedienen. Aber obwohl ich aus München-City bin, liegt genau das in meinem Fokus. Zurzeit bin ich an den Methoden der FreienWähler interessiert. Denn weder CSU, noch FDP und mit Herrn Ude auch sicher nicht die SPD wird die Landbevölkerung erreichen.

        Also suche ich nach guten Tricks und Tipps. Also wir brauchen Infostände und entsprechendes Material. Dann muss der Transport dieser Mittel geregelt werden. Außerdem sollten auch in ländlichen Gebieten Stammtische gegründet oder Zielpolitik in Form von lokalproblematischspezifischen AGs diskutiert werden.

        Für…
        – die Organisation (Bereitstellung von Materialien und Versorgung von Freiwilligen)
        – die Steuerung (Planung und Informationsgebung der entsprechen versorgten und unversorgten Stimmkreise)
        – die Verwaltung (Finanzieller Ausgleich, Wahrung der privat eingebrachten Mittel, rechtliche Unterstützung)
        – die Schaffung eines „zentralen Wahlkampfkomitees“.(als zentraler Ansprechpartner der zwischen Wahlkampfhelfern und Partei fungiert)

        Ich denke, gut und professionell organisiert, lassen sich viele Materialien besser miteinander teilen und nutzen, was sicherlich bereits eine Kostenersparnis einbringt. Informationsaustausch und Kontaktweitergabe bietet uns weiterhin die Möglichkeit schnell zu agieren und Probleme im Voraus zu lösen. Und ein zentraler Kontakt zur Landesgeschäftsstelle der Partei ist bietet außerdem eine bessere Ausnutzung der einzelen Ressourcen, eine gewisse Steuerung/Überwachung der Wahlkampfthemen und Positionierungen und eine Unterstützung durch Marekting und Rechtswesen.

        Mal sehen. Ich werde so etwas für Bayern versuchen einzurichten bzw. einrichten zu lassen. Wenn du nix dagegen hast, würde ich gerne den Kontakt zu dir halten und bitte auch jeden weiteren aktiven Wahlkämpfer mir von seinen Erlebnissen zu berichten. (http://wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Froschkoenig84 oder per Twitter: @Froschkoenig84)

        Die Diskussionen sollten wir trotzdem mit den entsprechenden Landesverbänden führen. Die Problematik jener Situationen muss sich länderübergreifend bis zur nächsten Landtagswahl auflösen lassen! Wir sind schließlich keine Problempartei, sondern eine Lösungspartei!

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