Glück zu haben ist einfach geil!

Oder: „Wie ich Freitag den 13. gefickt habe“

Vor kurzem habe ich vorzeitig mein Studium beendet. Leider ohne Abschluss. Passiert. Trotzdem ärgerlich. Ich stellte mich auf anstrengende Wochen, wenn nicht gar Monate, ein. Zeit, in der ich von Job-Hoffnung zu Job-Hoffnung rennen würde. Doch es kam ganz anders.

Dazu aber später erst mehr.

Vorher die Vorgeschichte: Nachdem ich vor dreieinhalb Jahren meine Ausbildung beendet hatte und 1 Woche vor der Abschlussprüfung mehr oder weniger zufällig erfahren hatte, dass ich – entgegen aller vorheriger Versprechen – wegen schlechter Auftragslage nicht übernommen werden konnte, ging ich damals direkt zum Arbeitsamt. Nicht, weil ich Geld von denen wollte, sondern weil ich a) krankenversichert bleiben wollte und b) natürlich arbeiten wollte.

Der zweite Punkt schien dort aber nicht so sehr bekannt zu sein. Ich bekam kein Stellenangebot, dass ich nicht schon aus der Zeitung kannte, ich wurde nicht als arbeitssuchend im System vermerkt und bekam generell nicht wirklich konstruktive Infos.

Viel wichtiger schien der „netten“ Dame dort, dass ich anstatt der erlaubten 14,5 Stunden/Woche 1 bis 2 mal im Monat auf 15 oder gar 16 kam. Dass ich im Schnitt aber nie über 10 Stunden lag, war ihr vollkommen egal.
Der Hammer sollte aber erst noch folgen.

Als ich für einen Bekannten aus dem Schützenverein auf seinem Geburtstag den Zapfhahn bediente (wenn man der beste Zapfer im Ort ist, kommt das öfter mal vor), bekam ein anderer mit, dass ich Arbeit suchte. Wir vereinbarten für den folgenden Tag ein Gespräch und nach diesem war klar, dass ich ein paar Tage später zum ersten mal mit ihm fahren sollte. Ein Job als Monteur stand mir somit in Aussicht. Besser gesagt, ich hatte den Job quasi in der Tasche.

Dummerweise sollte an eben jenem ersten Tag ein Beratungsgespräch beim Arbeitsamt stattfinden. Kein Problem, sollte man meinen, wird der halt erst einmal verschoben und dann in dem Fall, dass es mit dem Job doch nichts wird, nachgeholt. Sollte man meinen.

Am Telefon bekam ich zu hören, dass ich den Termin gefälligst wahrzunehmen hätte. Das ginge ja nicht, dass ich da nicht hin käme.

Ein hitziges Gespräch, in dem ich versuchte der Frau klar zu machen, dass ich Arbeit gefunden hätte, was ja eigentlich der Sinn des ganzen sein sollte. Auf die Drohung einer Sperre des ALG entgegnete ich nur, dass sie mir dann ruhig die Sperre geben solle, ich würde lieber arbeiten gehen. Stille in der Leitung. Bestimmt eine halbe Minute. Sie wolle dann mal meinen Arbeitgeber in spe sprechen.

Dieser brauchte dann auch noch eine halbe Stunde, bis die Frau einsah, dass der Arbeitstermin nicht zu ändern war und ich den Job wirklich so gut wie sicher hätte.

Am Ende einigten wir uns darauf, dass ich dann ein paar Tage später den Termin beim Arbeitsamt wahrnehmen würde. Egal, ob ich den Job bekommen hätte oder nicht.

Es war der sinnloseste Termin meines Lebens. Und außerdem noch ein verlorener Arbeitstag.

So bin ich dann ein paar Monate bis zum Beginn meines Studiums als Monteur für diverse Leuchten-Hersteller durch die Bau- und Möbelmärkte der Republik getingelt. War ne schöne und lustige Zeit.

Mit dieser Geschichte im Kopf ging ich also nun wieder einmal zum großen, roten A. Diesmal zum Glück in Hildesheim. (Ich werde nie im Leben wieder das Amt in Olsberg besuchen. Unter keinen Umständen.)
Als ich dort die Geschichte erzählte hielt man mich für bekloppt. So etwas könne doch nicht möglich sein. War es aber leider.

Hier ging alles sehr schnell und auch mein Wunsch in erster Linie Angebote aus dem Sauerland zu erhalten wurde problemlos berücksichtigt.

Wenige Tage später hatte ich das erste Angebot in der Post. Und auch einen Anruf. Eine Zeitarbeitsfirma. Nicht gerade mein Traum, aber bis ich was besseres hätte, würde das reichen. Also einen Termin vereinbart. Dies twitterte ich beiläufig, auch bei Facebook. Ein Freund, mit dem ich damals meine Ausbildung zusammen gemacht hatte, schrieb mir darauf hin, dass ich es wenn schon bei einer anderen ZA versuchen sollte. Die zahlen fast 3 Euro mehr.

Also auch dort mal angerufen. ZA freuen sich irgendwie immer, wenn jemand Arbeit sucht. Ich solle nur kurz meinen Lebenslauf mailen und dann würde man sich melden.

Aus Versehen schickte ich diesen nicht an den Mitarbeiter, mit dem ich telefoniert hatte, sondern direkt an den Chef. Dieser rief mich daraufhin an – ich saß schon im Zug gen Sauerland – und teilte mir mit, dass in meinem Ausbildungsbetrieb eine Stelle frei wäre. Ich sollte mich nur mit dem dortigen Betriebsleiter treffen. Der würde mich noch kennen, wolle aber kurz moz mir reden.

Da ich ja schon unterwegs war, fragte ich nach einem Termin, der mich vor dem bei der anderen ZA lag. 10 Minuten später hatte ich diesen, mit dem Hinweis, dass ich dort wohl sehr bald von der Firma übernommen werden konnte.

Ich wollte im Zug umher springen.

Doch es kam noch besser: Bei dem Termin erfuhr ich dann, dass die ZA ganz aus dem Spiel bliebe. Nur eins blieb zu klären: Ob ich wirklich längerfristig dort arbeiten wolle. Da ein weiteres Studium für mich eigentlich undenkbar ist, ich höchstens in ein paar Jahren einen Techniker oder Meister machen möchte, aber eben neben der Arbeit, war also auch die letzte Hürde aus dem Weg. Zumal schon die Chefin ihr Ok gegeben habe. Es fehlte nur noch der Betriebsrat.

Heute kam dann der Anruf, dass auch dieser sein Ok gegeben habe und morgen mein Vertrag verschickt werde.

Jetzt kommt zwar eine stressige Woche auf mich zu, in der ich meine Studentenwohnung ausräumen und bis ich eine neue Wohnung gefunden habe in der Garage meiner Eltern lagern muss, aber ich bin froh, dass jetzt alles so schnell und vor allem einfach ging. Denn nächsten Montag habe ich schon meinen ersten Tag.

Zwei Sachen habe ich gelernt: Das Glück is mit die Dummen und es lohnt sich, selbst in einem Betrieb, den man nie wieder zu sehen glaubt, einen sehr guten Eindruck zu hinterlassen. Man trifft sich eben immer zweimal.

Kleiner Wermutstropfen: Wäre ich 2 Monate früher gekommen, hätte ich der Assistent des Betriebsleiters sein können. Aber das ist jetzt jammern auf hohem Niveau und mir wurden schon Aufstiegschancen zugesagt.
Bodenständiges Leben, ich komme!

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5 Responses to “Glück zu haben ist einfach geil!”

  1. „Es war der sinnloseste Termin meines Lebens. “ hahahahahaha :D
    großartig!

  2. SEEEEEEEEEHR geil! Viel Erfolg! Erbitte unbedingt erste Visitenkarte von dir! Greetz!

  3. Herzlichen Glückwunsch!

    Die AA-Erfahrungen kann ich 1:1 für Meschede übernehmen. Die waren auch so Panne.
    „Sie wollen studieren? Da stehen sie nachher doch nur auf der Straße, es studieren viel zu viele. Wie wäre es mit Fleischereifachverkäuferin? Da finden sie garantiert immer Arbeit“ Na danke, genau dafür habe ich Abi gemacht.

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