The Bartender’s Guide To Nightlife

Dieser Text ist nicht nur – wie ich aus meiner Erfahrung sowohl vor, als auch hinter der Theke und hinterm Mischpult sagen kann – komplett richtig, er ist auch so gut, dass ein reiner Hinweis auf die Quelle viel zu wenig wäre. Dieser Text MUSS möglichst oft verbreitet werden!

Text: manic

Kopfschmerzen und Veilchen vermeiden:

1: Niemals, unter keinen Umständen, hinter die Theke gehen. Es gibt keinen Grund, hinter die Theke zu gehen, aber es zu tun, ist Grund genug, Hausverbot zu kriegen.

2: Niemals, unter keinen Umständen, über die Theke greifen. Barkeeper sind empfindliche Wesen, die ungehalten reagieren, wenn die natürliche Barriere zwischen ihnen und den Gästen überwunden wird. Vor allen Dingen: niemals in den Eiskübel greifen. Das Eis wird in die Getränke der anderen Gäste getan. Diese werden nicht begeistert sein, wenn vorher ein betrunkenes Arschloch mit seinen Patschefingern darin rumwühlt. Nach allem anderen, einem Stift, Bierdeckeln, extra Eis, Zitrone, einem Strohhalm oder Streichhölzern, kann man fragen und wird es mit Sicherheit bekommen.

3: Der Trick, in einem übervollen Laden bedient zu werden: An die Theke gehen, Blickkontakt zum Barkeeper aufnehmen, warten. Nicht winken. Es kann gut sein, das einfach zurück gewunken und ansonsten ignoriert wird. Auf gar keinen Fall pfeifen, Servicekräfte sind keine Hunde. Oh und Servicekräfte sind auch keine Stripper, also nicht mit Geldscheinen wedeln. Im schlimmsten Fall wird der Barkeeper den Geldschein nehmen, in die Kasse tun, sich artig bedanken und niemals eine Bestellung aufnehmen.

4: Bevor man bestellt, nachsehen, ob man genug Geld hat. Geld in der Hand haben, wenn man seinen Drink bekommt.

5: Niemals den Servicekräften sagen, wie sie ihren Job zu erledigen haben. („Hey, Mann, ich muss dir sagen, es gehört sich nicht, mit ’ner Kippe in der Hand auf ’nen Gast zuzugehen!“ – „Kein Problem, dann rauche ich erst auf.“ *Gast winkt meinem Kollegen zu, ich gehe hin* „Bitte.“ „Ey, der Typ soll ARBEITEN, nicht rauchen!“ „Und wer bist du, sein Chef?“ „Ne…ein Gast!“ „Das dachte ich mir, ICH bin nämlich seine Chefin, und er hat Pause.“ *gehe wieder. Keine Bestellung aufgenommen.“ „Ey, in Sambucca gehören DREI Kaffeebohnen!“ *Mein Chef wirft ihm DREI abgezählte Kaffeebohnen in’s Gesicht*)

6: Ein Longdrink ist ein Mixgetränk das aus zwei Zutaten, einem hochprozentigen Alkohol und einem Softdrink oder Saft, besteht. Ein Whiskey Soda ist ein Longdrink, ein Whiskey Sour ist ein Cocktail. Ein Bacardi Cola ist ein Longdrink, ein Cuba Libre ist ein Cocktail. „Ein Longdrink bitte.“ ist keine Bestellung, mit der ein Barkeeper etwas anfangen kann. Es wird höchstwahrscheinlich eine große Auswahl an Longdrinks geben. Eine Happy Hour auf Longdrinks gilt nicht für Cuba Libre, der kostet nach wie vor 6,50. Und wenn man Prosecco will, Prosecco bestellen. Nicht Sekt.

7: Es heißt „Zwei Bier, bitte.“ Nicht „Zwei Bier.“

8: Wenn das Licht angeht, müsst ihr gehen. Auch wenn ihr Stammgäste seid. Auch wenn andere Stammgäste noch in der Lounge sitzen bleiben und den Türsteher per Handschlag verabschieden. Diese Stammgäste sind offensichtlich mit dem Personal befreundet und bleiben nach Feierabend noch auf ein Bier. Vielleicht geht einer von ihnen sogar noch mit der Barkeeperin nach Hause und legt sie flach – IHR NICHT.

9: Beschwerden über das Servicepersonal sind an der Theke oder beim Chef abzugeben. Im Regelfall ist der Chef NICHT der Veranstalter, der DJ, der Türsteher, die Garderobiere oder die Kassendame. Diese können nichts tun, wenn der Barkeeper gemein zu euch war, sie werden nur genervt sein.

10: Wenn ihr der festen Überzeugung seid, einen Zwanziger gegeben zu haben, aber Wechselgeld auf einen Fünfer gekriegt zu haben, und der Barkeeper der festen Überzeugung ist, einen Fünfer bekommen zu haben und korrektes Wechselgeld gegeben zu haben, hat der Barkeeper wahrscheinlich Recht. Und zwar, weil er mehrmals wöchentlich in diesem schummrigen Licht Geldscheine annimmt und nach einem System einordnet, und mehr Alkohol verträgt als ihr. Solltet ihr trotzdem überzeugt von eurem Recht zu sein, ist eure einzige Chance, mehr Geld zurückzubekommen, sehr freundlich mit genau dem Barkeeper, der euch bedient hat, zu diskutieren. Wenn ihr verlangt den Thekenchef, Schichtleiter oder Geschäftsführer zu sprechen, wird dieser in 99% der Fälle hinter seinem Angestellten stehen und euch einen Scheißdreck geben.

11: „Nein“ heißt „Nein.“ Wenn das Licht schon an ist und ihr nur noch zwei Beck’s für den Weg nach Hause wollt, und der Barkeeper sagt „Nein.“ bringt auch die Geschichte, dass euer bester Freund aus Ecuador das erste Mal seit fünf Jahren in Deutschland ist, nichts.

12: „Nur noch Kölsch und Flaschenbier.“ heißt „Nur noch Kölsch und Flaschenbier.“ „Och bitte, nur noch EIN Gin Tonic…ich geb’ dir auch Trinkgeld….och hab’ dich nicht so“…..NEIN.

13: Beim Bestellung nicht das Personal anfassen. Nicht nach dem Namen fragen. Ihr kennt euch nicht, ihr steht in keiner Beziehung zueinander.

14: Getränke beim Barkeeper, Musik beim DJ. DJs sind meist arrogant, aber auch Servicekräfte. Allerdings: The DJ’s not a Jukebox – übertreibt es nicht.

16: Mit dem Erhalt des Getränkes und des Wechselgeldes ist die Transaktion zwischen Gast und Servicekraft rechtlich gesehen abgeschlossen – der Barkeeper trägt keine Verantwortung für gestohlene oder umgeschmissene Getränke. Passt gefälligst selber auf.

17: Wie schleppt man die Barkeeper ab? Männliche Barkeeper sind Männer und genauso zu behandeln. Nur sind sie Männer, denen ständig tief dekollierte Oberkörper in’s Gesicht gehalten werden, man muss also ein wenig kreativer sein. Oder Schnaps ausgeben. Weibliche Barkeeper sind meist wirklich schwer zu kriegen. Wenn sie arrogant und abweisend wirkt und weder auf’s Getränke ausgeben noch auf vermeintlich „flotte Sprüche“ reagiert ist eure einzige Chance, den Geschäftsführer anzusprechen. Der Geschäftsführer ist der stark tättowierte Mittdreißiger, der mit einem Riesendrink hinter der Theke steht, aber niemanden bedient. Er ist als einziger im ganzen Laden wirklich ernsthaft an Kundenbindung interessiert, und wird sich, solange ihr kein offensichtliches Riesenarschloch seid, auf ein Gespräch einlassen. Beim dritten freundlichen Gespräch kann man schon mal darum bitten, der Barkeeperin vorgestellt zu werden.

18: Man muss in Clubs kein Trinkgeld geben, aber es ist sehr nett, aufzurunden. Fünf Cent Trinkgeld sind arrogant und werden wahrscheinlich nicht angenommen worden.

19: Tricks, um eine wirklich lange Nacht zu überleben: Ab ca. Zwei Uhr sollte man keine stark koffeinierten Getränke mehr zu sich nehmen, sofern man irgendwann schlafen will. Bei Trunkenheit und leichter Übelkeit Tomatensaft bestellen und salzen – beruhigt den Magen, sättigt, reguliert Elektrolyte- und Flüssigkeitshaushalt. Bei einem Alkohol bleiben – wer Wodka Red Bull trinkt, sollte auch bei Schnapsrunden Wodka trinken. Wasser hilft bei starker Trunkenheit besser als Cola. Die Erklärung dafür habe ich vergessen, aber versprochen, es ist nicht nur ein Erfahrungswert. Nicht zuviel Säure zu sich nehmen. Getränke wie Jägermeister Banane werden euch zwangsläufig ein zweites Mal begegnen, aber wenn ihr meint, das trinken zu müssen…. Kotzt bitte vor der Tür. Danke. Zwischendurch mal setzen. Erdnüsse essen. An die frische Luft gehen. Und die Eroberung für die Nacht am besten vor drei Uhr morgens klar machen – danach gibt’s nur noch Ausschussware.

20: IMMER genug Geld für ein Taxi dabei haben. Und auf die Handtasche aufpassen.

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6 Responses to “The Bartender’s Guide To Nightlife”

  1. Top Artikel, musste einige Male schmunzeln ! :)

  2. Der Link zur Quelle bei jetzt.de ist übrigens kaputt.

    • Dann ist’s ja gut, dass ich es hier „gesichert“ habe. (Ist ja – wie gesagt – nicht mein Artikel)
      Ich hab das gerade mal überprüft, weder der Artikel, noch der Auto „manic“ scheinen noch bei jetzt.de vorhanden zu sein. Sollte der Autor das hier lesen, würde ich gerne den Link aktualisieren. Also bitte melden!

  3. Die Tipps sind sicherlich für einige Gäste ein guter Hinweis. Wenn man allerdings im Nachtleben arbeitet und mit einem reibungslosen Benehmen rechnet, hat ebenfalls was nicht verstanden :)

  4. Ich arbeite seit 20 Jahren in der Gastronomie, die letzten 8 Jahre davon in der Nachtgastronomie!
    Habe mich sehr über diesen Artikel gefreut und weiß schon jetzt, daß da noch einige Punkte fehlen…
    trotzdem vielen Dank an den Verfasser und an alle, die den Guide weiter teilen, es könnte uns das arbeiten leichter machen!

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