Nature One 2010, oder dreieinhalb Tage ohne Twitter

Geschafft, ich bin wieder zuhause, bin gebadet, hab wieder etwas ungegrilltes gegessen und ausgeschlafen. Ohne Ohrenstöpsel. Ohne dauerndes Gehämmer von mehreren Bässen der Zelte um uns herum. Oder besser gesagt Bühnen. Zeitweise 5-6 gleichzeitig, je nach Windrichtung. Und unsere Lieblingsnachbarn, welche wohl nur zum Campen dort waren, waren sogar so nett uns ca. 72 Stunden lang fast ohne Unterbrechung mit schlechtestem Hardstyle (meiner Meinung nach Kindertechno) zu versorgen.

Aber erst mal langsam.

Donnerstag: Anreisetag. Treffen um 12 im Sauerland. Ich komme mit meinem Beifahrer zu spät. Mussten noch das Fleisch vom Lieblings-Metzger abholen. Um halb eins dann endlich wirklich Treffen. Problem: Meine Mitfahrer haben vergessen den Pavillon abzuholen. Der liegt jetzt in einer Garage, dessen Besitzer, der uns wenige Tage vorher abgesagt hat, wieder in Aachen ist. Was nun? Baumarkt. Einen neuen kaufen. Für 4 Mann reicht ja auch ein normaler. 4 Mann… nur. Geplant waren wesentlich mehr. Alle kurz vorher abgesagt. Egal, dann fährt halt nur die Elite! ;)
Endlich kann’s los gehen. Nach ein paar Umwegen – eine Kooperation meines Navis und meiner plötzlichen Orientierungs-Unfähigkeit – verlassen wir die Autobahn. Um dann kurz darauf von der Polizei angehalten zu werden. Ok, ich eigentlich nicht, aber das Auto meiner Mitfahrer. Ich könnte weiterfahren, aber ob ich jetzt hier warte oder 100m weiter. Und da ich nichts zu befürchten hab, können die Beamten auch ruhig mein Auto durchsuchen. Naja, sie hätten es auch wenigstens wieder einräumen können. Unordentliches Pack! Aber die Leibesvisitation fand ich schon recht befremdlich, zumal mir der Polizist, der mich abgetastet hat, als einziger in den Schritt gefasst hat. Huch! Muss ihm wohl gefallen haben. Oder so. Nunja, soll er auch mal sein Vergnügen haben. Beim nächsten Mal ist die Hand aber ab!
Kurz darauf können wir endlich weiter fahren, wenn auch nicht weit: Kurz hinter Kastellaun stehen die Autos. Bei der Kontrolle sagte noch ein Beamter, dass auf dem Platz nichts mehr ginge, die müssten die Autos mit dem Trecker darauf ziehen. Oha! Langsam geht es weiter. Der erste Ordner, der die 2 Auto-Spuren zu einer zusammen führt schafft es schon fast uns zu trennen. Anstatt mal kurz auf die Nummernschilder zu gucken oder auf den Zuruf „wir gehören zusammen“ zu reagieren hält er lieber seine „Eins rechts eins links“-Reihe ein. Idiot. Egal, kurz mit dem Auto vor uns gesprochen und schon sind wir wieder hintereinander. Zumindest bis zum nächsten Ordner! Am Eingang des Camping-Geländes werden wir dank eines völlig bedepperten Ordners schon wieder getrennt. Und diesmal nicht nur 1 Auto, sondern gleich mehrere. Auch diesmal hilft der Hinweis auf unsere Zusammengehörigkeit nicht wirklich. Als Antwort kommt nur „das staut sich da gleich sowieso wieder“. Na toll, und die Autos zwischen uns verschwinden dann einfach. Noch nie so dämliche Ordner erlebt. Dämliche HipHop-Schw…
Ach ja, Trecker sehe ich keine. Allerdings schafft mein Mitfahrer es nicht mit seinem heckbetriebenen Kombi über einen matschigen Weg leicht bergauf zum zugewiesenen Platz zu kommen. Dadurch werden wir zwar die Autos zwischen uns los, landen jedoch auf einem Platz, auf dem wir uns schon mal vom Schlaf verabschieden können. Rund um uns herum: Bühnen, große Zelte und laute Boxen. Will was twittern. Geht nicht. Voller Empfang, aber kein Internet. Aber was soll’s, Jammern hilft ja auch nicht. Also Zelte aufgebaut, in der Mitte ne Plane ausgelegt um nicht die ganze Zeit im Matsch zu stehen, Pavillon errichtet und Alkohol rausgeholt. Prost!

Freitag: Kater! Aber nicht der normale, sondern mehr eine Mischung aus Alkohol, Camping, wenig Schlaf und dem verf***ten Bass vom Kindertechno nebenan. Dazu kennt der „DJ“ gerade mal genau 1 Effekt: Backspin. Twitter? Geht nicht.
Aber wenigstens scheint die Sonne. Oder besser: Sie knallt! Geilo! Genau das hatte ich erhofft. Wollte ich doch sowieso mehr Sonne abkriegen. Also die Luftmatratze geschnappt, Sonnencreme nicht vergessen und ab in die Sonne. Allerdings hätte ich mich besser eincremen sollen. Eine rote Stirn und brennende Füße bestätigen das. L
So geht der Tag dann auch irgendwie rum und irgendwann gehen wir dann auch zur Pydna. Ich bin gespannt, stehe ich doch dank @unkreativnet bzw. xtranews.de auf der Gästeliste und darf Fotos machen. Was genau ich damit darf weiß ich in dem Moment noch nicht, dafür hat sich die Gelegenheit zu kurzfristig ergeben. (Twitter ist schon klasse!) Also stelle ich mich am Schalter für die Presse an und kurz darauf habe ich 2 Plastikbänder am Arm – eins für den Backstage-Bereich und eins für den Bühnengraben vor der Open Air Stage. Dazu bekomme ich einen Zettel mit ein paar Fakten zu Nature und einem Zeitplan der Auftritte auf den Headfloors. Gelb unterlegt sehe ich bei einigen Künstlern: Bühnenbegehung. Coole Sache! Ich darf auf die Bühne und ganz nah ran um Fotos zu schießen. Wann bekommt man schon mal so eine Gelegenheit?! So laufe ich also fast den ganzen Abend von Begehung zu Begehung, mache ordentlich Fotos und genieße es zwischenzeitlich die Abwärme eines Strahlers nutzen zu können – inzwischen ist es nämlich so kalt, dass meine kurzen Sachen keine gute Idee mehr sind! Aber ich halte durch und um 3:45 Uhr schaffe ich es zum ersten Mal im dritten Jahr Lützenkirchen live zu sehen – und bin enttäuscht. Da inzwischen die Kälte die Kontrolle über das Auf-Ab-Intervall meines Mundes genommen hat entscheide ich mich dann doch mal zurück zum Zelt zu gehen und in den wärmenden Schlafsack zu schlüpfen. Twittercheck: Nix.

Samstag: Müde, genervt, blaaahhh. Der Tag rattert an mir vorbei. Hin und wieder ein Radler, Sonne knallt wieder, Twitter rührt sich nicht. Und dabei wollte ich doch ein paar Leute mit Bildern versorgen. Und mich mit @shortyNRW treffen. Das kann ich jetzt vergessen.
Ich freu mich auf die Dusche, verspreche ich mir doch etwas Abkühlung und vor allem mal wieder fit zu werden. Klappt aber nicht. Der Strahl aus meinem Duschkopf ist so mickrig, dass ich mir die Haare anschließend noch mal am Wasser-LKW auswasche. Der schönste Moment, wenn auch mit schrecklichem Hintergrund: Die Gedenkveranstaltung für die Loveparade-Opfer. Mehrere Tausend weiße Luftballons steigen zum Himmel, bis auf ein paar Idioten haben alle ihre Musik ausgemacht. Stille. Anschließend lauter Applaus. Danach wieder Musik.
Am Abend geht’s dann mal wieder zur Pydna. Bühnenführungen, Bühnengraben und meine erste Pressekonferenz. Hat was Lustiges. Woody van Eyden fotografiert erst mal zurück. Ein paar Infos werden verkündet (55.000 Besucher), Nikolaus Schär (der Veranstalter) erzählt, wie er die Tragödie der Loveparade erlebt hat und die Tage danach verbracht hat und was er von den Veranstaltern hält („Das wüsste eine australische Schaafsherde besser als die“). Anschließend können Fragen gestellt werden. Nichts besonderes dabei, aber von dem Typen, der a) zu blöd ist die Hügel rauf zu klettern und b) meint die Veranstalter dafür verantwortlich machen zu können, dass er seinen Wohnwagen fest gefahren hat, sind alle genervt.
Anschließend Nature One Inc. und Feuerwerk und bei Armin van Buuren gehe ich auch noch mal auf die Bühne. Danach geh ich dann auch noch mal feiern.
Zurück am Zelt. Der „DJ“ hat nen neuen Effekt gefunden: Pitch! Und er nutzt ihn, wie wir ihn damals mit 12 benutzt haben. Ganz rauf, ganz runter, ganz rauf… Ohrenstöpsel rein, Schlafsack über die Ohren gezogen und eingeschlafen.

Sonntag: Müde, genervt, gereizt. Aber: Gleich geht’s nach Hause! Da ich gestern tagsüber nicht viel und am Abend gar nichts mehr getrunken habe, können wir früh losfahren. 10 Uhr. Da kommt man noch relativ schnell vom Platz. Außerdem ist noch ein Abstecher bei meinem Bruder geplant. Seine alten Technoplatten und nen Plattenspieler abholen. Außerdem hat der Krawallsalat versprochen.
Diesmal werde ich nicht mehr kontrolliert. Hätte auch keinen Bock drauf, auch wenn ich auch hier nichts zu befürchten gehabt hätte.
Ich komme also insgesamt recht gut und schnell durch und bin froh, als ich wieder im Sauerland bin. Nachdem die wichtigsten Sachen ausgepackt sind (der Rest kommt später dran) gehe ich erst mal eineinhalb Stunden in die Badewanne und bin froh endlich entspannen zu können. Danach: Schlafen. Lange schlafen. Richtig schlafen! So ganz ohne Bumbum und Pitch.

Montag: Bilder durchschauen, brauchbare auswählen und die guten an xtranews schicken. Dazu noch nen Text geschrieben. Und jetzt: Bloggen. Hab ja nen Bericht versprochen. ;) Und Twitter funktioniert auch wieder!

Zum Schluss: Mein Artikel und die Bilder auf xtranews.de!

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