Neue Technik – altes Denken… (gelöst)

Gespräch mit einem Kollegen vor 3 Wochen: „Mein Computer braucht ewig beim Starten, stürzt ständig ab und ist total langsam!“ – „Wie alt ist der denn?“ – „So ca. 10 Jahre. Kannst du da was machen?“ – „Ja, dir einen neuen Computer bauen!“

Schien mir damals ne ganz einfache Sache: Er braucht den nur für’s Büro. Keine Spiele oder so. Also: Nen schicken Office-PC zusammen gestellt. Wenn er den alten schon 10 Jahre behalten hat, dann sollte der nächste auch daraufhin ausgerichtet sein. Also: Power! Nicht zu viel, nicht zu wenig. Preisvorstellung: 200-300€. Tastatur, Monitor & Maus sind vorhanden, können weiterhin genutzt werden. „Auf den Alten muss ich aber auch noch zugreifen können!“ Ok, also einen KVM-Switch dazu. „Und wie komme ich dann mit beiden Computern ins Internet?“ Ok, also auch noch einen Router dazu. Mit W-Lan, weil „vielleicht kaufe ich mir mal einen Laptop“ So weit so gut. Hört sich alles ganz normal an. Um einem Datenverlust durch gecrashte Platte vorzubeugen kommt noch eine zweite Festplatte dazu, die dann via RAID1 gespiegelt wird. Mit SATA geht das ja schnell und einfach. Alles bestellt, letzten Montag habe ich mich dann an’s Aufbauen gemacht. Kleiner Scherz zu Beginn: „Bei meinem Glück habe ich irgendein Teil dabei bestellt das nicht passt.“ Blöder Spruch! Hatte zuerst ein Mainboard mit DDR3 rausgesucht, hab dann aber doch lieber ein anderes genommen – mit DDR2-RAM. #fail! Ok, alles andere soweit fertig gemacht, Neuen RAM bestellt, Freitag geht’s weiter.

Es ist Freitag. Der RAM passt. Windows installieren. „Ich hab bei eBay für 20€ ein XP gekauft“ nuuunjaaaa… Ich guck’s mir mal an, ist ne OEM-Version. Aber die dürfen ja inzwischen auch verkauft werden. Ist ungeöffnet, scheint ok zu sein. Also RAID1 eingerichtet, BIOS eingestellt und CD rein. Festplatten werden auch wunderbar als „eine“ erkannt. Installation startet, läuft zunächst ganz normal ab, doch bein ersten Neustart: Bluescreen! FU**! Ok, andere XP-CD versucht, die RAID1 Einstellung raus genommen, alles hilft nichts. Nächster Versuch: Nur eine Festplatte angeschlossen, Installation läuft gut. Das Ganze auch mit der anderen Platte versucht, läuft auch. Na gut, installier‘ ich es erstmal nur so, vielleicht kann ich das RAID1 noch später einrichten.

Während der Installation richte ich mit meinem Netbook schonmal den Router ein. Woran hab ich vorher nicht gedacht? Der Typ ist (überzeugter) Kunde bei T-Online. („Ich finde es unfair, dass die Telekom das Netzt teuer aufgebaut hat und teuer warten muss, während die anderen Anbieter für gaaaanz wenig Geld das Netzt nutzen dürfen!“ – ohne Worte!) Wie muss ich jetzt die Zugangsdaten in den Router eingeben? Nach langem Suchen und Probieren bin ich endlich (mit Hilfe von @markuman) auf eine mögliche Lösung gestoßen, konnte sie aber noch nicht testen.

Dann geht es darum, wie er demnächst ins Internet geht: „Neee, dauerhaft verbunden sein will ich nicht!“ – „Ok, dann richte ich dir das so ein, dass du nur hier auf der Router-Seite…“ – „Nä! Das ist mir zu kompliziert! Ich will mich wie bisher auch immer dann einwählen können wann ich will – und das ganz einfach, am besten mit der T-Online Software!“ OMFG. Meine Laune ist sowieso schon am Boden und dann auch noch sowas. Er will also etwas neues, schnell laufendes, das aber ganz genau so sein soll, wie ‚früher‘. Also neue Technik mit altem Denken. Bin kurz davor alles hinzuschmeißen.

Montag geht’s weiter… ich hab jetzt schon kein Bock mehr!

//Update:

Ich hab’s geschafft! Der Rechner läuft, der Kollege ist zufrieden, ich bekomme wieder gute Laune.

Nachdem ich die beiden Festplatten mit einem Trick aus der c’t endlich auch nach der Installation noch spiegeln konnte, habe ich den Computer mit den „bestellten“ Programmen ausgerüstet und abgeliefert. Antivieren-Software (natürlich von t-online, natürlich aus einer gelben Schachtel) wollte er noch selber installieren. Kein Ding – normalerweise! Denn t-online hat auf der entsprechenden Downloadseite einen Bug, wodurch die wichtigste Seite (mit den Links) weder im Internet-Explorer, noch im hauseigenen t-online Browser angezeigt werden kann. Allerdings ist ja auf der t-online CD das Nrtn (nein, ich schreibe den Mist nicht aus!) 360 vorhanden. Dass er dieses Paket garnicht gebucht hat, hat er einfach mal ignoriert. Also ruhig druff damit. Nunja… irgendwas muss bei der Installation dermaßen schief gelaufen sein, dass anschließend garnichts mehr lief. Beim Systemstart gab’s massenweise Fehlermeldungen, ich konnte keine Software mehr installieren und das 360 zu deinstallieren ging schon mal gar nicht! Was nun?

Zufällig hatte ich diesmal  – eigentlich um das neue W-Lan zu testen – mein Netbook dabei. Und da ich auf IE und darauf basierende (und noch grausamer zu bedienende [t-online]) Browsern allergisch reagiere, konnte ich nun mal schnell auf Firefox zurück greifen. Rein aus Neugier habe ich deshalb noch einmal die Download-Seite für Nrtn Internet Security aufgerufen – und siehe da: Läuft! Also schnell runtergeladen, versucht zu installieren – geht auch nicht. Bleibt nur noch eins: Neuinstallation!

Also den Rechner wieder eingepackt, diesmal sämtliche zu installierende Software mit genommen (wer weiß was der sonst wieder anstellen würde) und zuhause aufgebaut. In irgendeinem Forum hatte ich bei der vorherigen Fehlersuche zum Bluescreen gelesen, dass man sich eine eigene WinXP-CD mit Treibern erstellen solle. Wusste ich zwar vorher auch, hatte das aber bisher nur genutzt um Programme automatisch einzubinden. An Treiber hatte ich dabei nicht gedacht. Also schnell Nlite geladen und SATA-Treiber, Servicepack etc. zur CD gepackt. Das Raid konnte ich nun schon vor der Installation einrichten und bekam endlich keinen Bluescreen mehr, da XP sich nun die fehlenden Treiber von der CD gezogen hat. (Ein Disketten-Laufwerk hab ich um’s Verrecken nicht auftreiben können und kaufen wollte ich mir für den Mist erst recht keins. Scheiß XP!)

Nun läuft alles super, Programme sind alle drauf, Nrtn auch. Nur eins hatte ich vor der Installation vergessen: Den am USB-Port auf dem Board angeschlossenen Kartenleser abzuklemmen. Naja, nicht weiter schlimm. Hauptfestplatte ist jetzt halt nicht C: sondern H:, aber wenn man’s weiß sollte das kein Ding sein. Die dadurch entstandenen Fehlermeldungen konnte ich auch durch verlegen des auf C: gelisteteten Kartenlesers auf einen anderen Buchstaben beheben.

Wie schon geschrieben sollten die Computer ja nicht immer im Internet sein. Eine Trennung nach Zeit kam aber nicht in Frage, da die Telefon-Software sich bei einem Anruf die Daten des Anrufers aus dem Internet holt. Eine manuelle Einwahl per Klick im Router-Menü kam wegen mangelnder Kenntnis (oder einfacher Unfähigkeit neues zu lernen) auch nicht in Frage. Nach langer Überzeugungsarbeit („das macht sogar meine Mutter so“) konnte ich mich mit dem Vorschlag eine Verknüpfung zur LAN-Verbindung auf den Desktop zu legen, welche einfach (de)aktiviert werden kann, durchgesetzt.

Ein Problem blieb noch: Der neue Rechner sollte auf die Dateien des alten Rechners zugreifen können. An und für sich ne schnell gemachte Sache – wäre XP keine blöde Zicke! Die Verbindung ist hergestellt, Netzwerk ist eingerichtet, Ordner sind freigegeben, ich finde den neuen Rechner auf beiden Computern im Netzwerk – aber den alten nicht. Ok, langsam sinkt meine Laune merklich nach unten. Wohl auch deshalb lässt sich mein Kollege ganz schnell dazu überreden, dass er ja einfach an den alten Rechner wechseln kann und die Dateien von dort aus auf den Neuen in einen extra eingerichteten Zwischenordner schieben kann.

Ach ja, mein Lieblings-Fail zum Schluss: Um beide Rechner mit einem Monitor etc. zu betreiben, haben wir einen Belkin Switch2 bestellt. Sollte ja ganz einfach laufen: Anschließen, Knöpfchen drücken, fertig. Von wegen! Erstes Gerät: Angeschlossen, Knöpfchen gedrückt, geht nicht. Ein Wechsel funktioniert nur durch herausziehen und hinenstecken der Fernbedienung. Zweites Gerät (auf die Schnelle war leider kein Gerät von einem anderen Hersteller zu bekommen): Der gleiche Mist. Google sagt nichts, ich bin sprachlos, Hotline anrufen. Erster Versuch: „1 für technischen Support, 2 für [irgendwas anderes, ähnliches]“, ich nehm die 1. Schöne Musik, alle 3 Minuten unterbrochen von einer der typischen Tonband-Ansagen. Nach 10 Minuten wird das Telefonat automatisch abgebrochen, man solle es doch später noch einmal versuchen. Mache ich, 10 Sekunden später! Diesmal wähle ich – aus reiner Neugier – die 2. Andere schöne Musik, etwas fetziger, gefällt mir besser als die erste. Leider wird sie schon alle 50-60 Sekunden vom Tonband unterbrochen. Ich warte… nach 7 Minuten ist endlich eine (leicht indisch klingende) Stimme zu hören. Ich erkläre das Problem, die Antwort: „Stecken Sie den Stecker der Fernbedienung gaaaaaaanz Fest in das Gerät. Bis es weh tut!“ Ich dachte ich hätte mich verhört, frage nochmal nach, doch er meint das wirklich ernst. Ich stecke und stecke, meine Finger tun wirklich schon weh, als plötzlich: EIN LICHT! Die LED an der Fernbedienung leuchtet! Ich versuche umzuschalten und es funktioniert! Am Ende war also das Gerät gar nicht kaputt, sondern nur falsch konstruiert.

Jetzt bin ich erstmal gespannt, ob und in welcher Form da ein gaaaanz großes Dankeschön von meinem Kollegen kommt. Verdient hätte ich es!

Ach ja, @ Stefan: Danke für die Tipps, ein Diskettenlaufwerk war aber leider nicht vorhanden (wer braucht das schon noch?!) und Idle-Time kam wegen der Telefon-Software leider auch nicht in Frage (funktionierte dann  nicht mehr. Es musste also eine manuelle Trennmöglichkeit her.

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3 Kommentare to “Neue Technik – altes Denken… (gelöst)”

  1. ZU dem Plattenproblem:
    Der Herr XP erkennt zahlreiche SATA-Controller nicht richtig. Abhilfe schafft meist ein Kompabilitätsmodus, der während der Installation im BIOS eingeschaltet wird. Alternativ kann man bei den meisten Boards von der beigelegten Treiber-CD eine Treiber-Diskette(!) für XP erstellen und die während des Setup mit F6 einbinden.

    ZU den Routern:
    Einige Router wie die Fritz-Box unterstützen zwar eine „nur Modem-Version“, aber das beißt sich natürlich mit mehreren Rechnern. Statt dessen können Router die Verbindung nach „Idle-Time“ abschalten und bei Bedarf wieder aufbauen. Sollte man dem Bekannten verklickern können.

  2. Und der ganze sh**-Aufwand, nur für einen lausigen OFFICE-PC?
    Respekt! Dass Du dir DAS antust…

    Wannimmer man mich fragt, ob ich einen neuen PC für x, y, z einrichten könnte, lege ich als allerstes MEINE Spielregeln und Konfigurationsdetails fest (= OS, Browser, Security-Zeugs, Router….).

    Gibt es auch nur EINEN abweichenden Wunsch, kann der jenige sein zeug gerne selber machen.
    Und siehe da – plötzlich sind GANZ GANZ VIELE Details, die Minuten vorher noch ZWINGEND UNDISKUTIERT NOTWENDIG waren, Historie… ;-)

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