Artikel getaggt mit ‘Drogen’

4. März 2011

Mitten im Wald

Aufräumen hat angenehme Nebeneffekte: Nach langer Zeit habe ich einen Text, den ich im Literaturkurs während der Oberstufe geschrieben habe, wieder gefunden.

Mitten im Wald

Grün. Einfach nur ganz viel Grün. Da, etwas Blau und Lila. Lachen, einfach nur lachen. Aber wieso? Egal! Einfach lachen. Aufhören? Nein! Weshalb auch? Ist doch lustig. Und Lachen ist ja angeblich auch die beste Medizin. Auch wenn man nicht krank ist. Moment. War da was? Stille. Ein Knacken. Da kommt jemand!

Nein, das war nur ein Ast unter seinem eigenen Schuh. Doch den nahm er nicht mehr wahr. Er saß einfach nur da auf diesem umgekippten Baumstamm. Mitten im Wald. Ganz alleine, auf einem nassen Baumstamm. Weit und breit kein Mensch. Nur Bäume und Laub. jetzt lachte er nicht mehr. Ganz plötzlich hörte er auf. Er wollte nicht mehr lachen. Nein, jetzt nicht mehr! Es hatte ja auch keinen Sinn. Immer nur lachen. Was sollte das bringen? Nichts! Es gab viel wichtigere Dinge! Er nahm noch einen Zug.

Was sollte er nur machen? Schule? Langweilig! Ein Job? Wie denn, mit den Noten. Es half ja nichts, er musste weiter machen. Oder… Da war noch eine Alternative.

Noch mal ziehen.

Aber. Nein! Das konnte er nicht machen. Nicht so. Nicht einfach aufgeben. Das war nichts für ihn. Er hatte seinen Stolz. Und da kam so etwas nicht in Frage! Was würden denn da die anderen sagen? Er stellte es sich vor, wie sie vor seinem Grab stehen und sagen. “So ein Weichei! Gibt einfach auf und lasst uns hier alleine.” Nein, der letzte Satz passte nicht. Das würde nie einer von ihnen sagen. Das würde ja bedeuten, dass sie ihn brauchten. Aber das war nicht so. Egoisten können alleine viel besser leben. Die brauchen keine Freunde. Doch er brauchte Freunde.

Ein ganz tiefer Zug.

Er musste husten, das war zu tief Nun lächelt er, und dachte an die lustigen Tage, die sie zusammen hatten. Die ganzen Nächte in denen er die Schule und die Zukunft einfach vergessen konnte. Natürlich war dabei immer Alkohol oder anderes Zeug im Spiel gewesen, aber es half ihm aus seinem Leben zu flüchten,

einfach alles hinter sich zu lassen.

Er zog noch mal und bemerkte dabei, dass er sich schon die ganze Zeit den Zeigefinger verbrannt hatte. Aber das war ihm egal. Er ließ den Rest einfach fallen, ohne an das Laub unter sich zu denken, nahm sich ein neues Blättchen, etwas Tabak und das letzte Stückchen, das er in seiner Tasche gefunden hatte.

Es wunde kalt um ihn herum. Und dunkel. Nach Hause gehen? Später! Noch diese eine!

Er überlegte, worüber er gerade nachgedacht hatte. Ach ja, die anderen. Aber sie waren nicht der einzige Grund, warum er es nicht tat. Da war ja noch sie. Sie liebte ihn. Und sie dachte, dass er es auch tat. Da war er sich aber schon länger nicht mehr so sicher. Immer öfter fragte er sich, warum er noch mit ihr zusammen war. Sie engte ihn ein, jedes Mal, wenn er sich länger mit einem anderen Mädchen unterhielt, bekam er ein schlechtes Gewissen. Er wollte einfach mal wieder frei sein. Einfach machen können, was er wollte, ohne auf sie Rücksicht nehmen zu müssen. Immer nur die gleiche, das war nichts für ihn. Frei sein, einfach nur frei sein, das wollte er. Aber er konnte sie nicht alleine lassen. Wie oft hatte sie ihm schon gesagt, dass sie ohne ihn nicht leben könnte. Das konnte er ihr nicht antun. Doch genau das war es, was ihn wirklich einengte. Er konnte sie nicht verlassen, egal auf welche Weise. Doch wirklich frei wäre er nur, wenn er… Wie oft wünschte er sich, einfach frei zu sein. Frei von allem.

Deshalb saß er auch immer hier und rauchte dieses Zeug. Er entflammte sein Feuerzeug. Hier konnte er über alles nachdenken. Über seine Zukunft, seine Gegenwart und seine Vergangenheit. Hier saß er, wenn er nicht weiter wusste. Dann saß er hier einfach herum und rauchte. Hier hatte ihn noch niemand gestört. Nie kam jemand vorbei. Nur manchmal, da ging jemand auf dem Waldweg, ein paar hundert Meter unter ihm vorbei. Doch von dort aus sah man ihn nicht. Dann war es interessant für ihn, die Leute zu beobachte, wie sie mit ihren Hunden spazieren gingen. Mit diesen kleinen, dreckigen Dingern. Er mochte diese Hunde nicht. Sie waren so fein herausgeputzt. Wenn er einen sah, musste er immer daran denken, wie arm es ihnen ging. Sie konnten nicht so einfach sagen „lass mich in Ruhe, ich will so nicht herumlaufen!“ Nein, sie waren nicht frei. Genau wie er!

Er nahm einen tiefen Zug. Hier fühlte er sich frei. So mitten im Wald, ganz alleine. Kein Mensch weit und breit. Er grinste. “Weit und breit”, breit war er auch. Aber die kühle Luft ließ ihn noch halbwegs klar denken, auch wenn er schon nicht mehr wusste, woran er vor wenigen Minuten gedacht hatte. Doch, da fiel es ihm wieder ein. Und wieder dachte er an seine Zukunft. Und daran, dass nie etwas so klappte, wie er wollte. Immer wurden andere bevorzugt, und er musste zugucken. Eine Träne floss über seine Wange. Er wollte einfach nicht mehr. Nein, schlimmer. Er konnte einfach nicht mehr. Er war am Ende, wusste nicht mehr weiter. Was sollte er denn noch machen? Seine “Freunde”, wie sie sich nannten, konnten auch ohne ihn auskommen. Doch vielleicht waren sie besser dran, wenn er nicht mehr wäre. Vielleicht hatten sie dann ein viel besseres Leben. Vielleicht waren sie dann frei. Frei von ihm.

Er packte in seine Tasche und fühlte sein Messer. Das Messer, mit dem er normalerweise die Zigaretten aufschlitzte um den Tabak leichter zu bekommen.

Ein tiefer Zug, sein Atem stotterte. Er zog es aus seiner Tasche und betrachtete die Klinge. Sie war scharf und sauber. Mit Tränen in den Augen wischte er noch einmal mit seinem Ärmel über die Klinge. Ein letzter Gedanke an sie. Doch das konnte sein Vorhaben auch nicht mehr stoppen. Er war fest entschlossen. In der Klinge spiegelte sich der aufgehende Mond. Vollmond. Er hielt die Klinge an seinen Arm, und plötzlich wurde alles schwarz. Weiß. Ganz viel Weiß. Alles ist so hell. Langsam wird es klarer. Was war geschehen? Wo war er? Und vor allem, warum?

Er lag auf einem harten Bett. Eines dieser harten Betten, die niemand mochte. So unbequem. Und kalt. Nun wurde sein Blick klarer. Er war in einem Krankenhaus. Doch er war ganz alleine. Eigentlich so, wie er es immer gemocht hatte. Nur diesmal mochte er es nicht. Diesmal fühlte er sich einsam. Nicht frei.

Niemand war bei ihm. Keiner seiner “Freunde”. Keiner. Er wollte aufstehen und irgendwen fragen, wie er hierhergekommen war. Doch da fühlte er einen starken Schmerz in seinem Arm. Er fühlte seine linke Hand nicht. Sie war total taub.

Er legte sich wieder hin und dachte nach. Dachte an die anderen, und an sie.

Er fühlte sich nicht mehr frei. Nicht hier. Und auch nicht an irgendeinem anderen Ort. Auch nicht an seinem Ort. Der Ort, an den er immer frei war. Denn den kannten sie ja nun auch. Und sie wussten, was er dort machte. Deshalb konnte er dort auch nicht mehr hin. An seinen Ort. Mitten im Wald.

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17. Mai 2010

“Freiwilliger” Drogentest

Im aktuellen Kehrwieder (eine wöchentlich veröffentlichte regionale Zeitung für den Raum Hildesheim) gab es einen interessanten Bericht:

Nordstemmer Schulleitung alarmiert Polizei – und sorgt für politischen Protest
Wirbel um Drogentests an der Marienbergschule
(jan) Nordstemmen. Eine gemeinsame Aktion von Schulleitung, Landesschulbehörde und Polizei sorgt für Wirbel im Kultusministerium und im Landtag: Zivilbeamte testeten in der vergangenen Woche an der Nordstemmer Marienbergschule Schüler auf Drogenkonsum, holten die Jugendlichen für Urintests aus dem Unterricht. Landespolitiker von SPD, Grünen und Linken bewerten die Aktion kritisch, befürchten Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte der Jugendlichen. Christa Reichwaldt von den Linken erklärt, Schulleiter Friedel Reinecke habe seine Kompetenzen überschritten, und fordert eine Diskussion in den Fachausschüssen des Landtags. Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) will sich nun persönlich über die Details der Drogenkontrolle informieren lassen.
Die morgendliche Aktion am vergangenen Montag war nicht nur mit der Schulleitung abgesprochen – Schulleiter Friedel Reinecke selbst hatte die Polizei um Hilfe gebeten, einem schwerwiegenden Verdacht auf den Grund zu gehen. Seit einiger Zeit hatte es Gerüchte gegeben, Cannabisdealer wollten die Haupt- und Realschule im großen Stil für ihre Geschäfte nutzen und ihren Absatzmarkt unter Schülern vergrößern. Ermittlungen im Umkreis der Schule ergaben keine konkreten Hinweise, der Verdacht aber blieb. So entschied sich die Schulleitung in Absprache mit dem Kollegium und der Landesschulbehörde, den Vorschlag der Sarstedter Polizei anzunehmen: Zivilbeamte sollten zufällig ausgewählte Schüler auf Drogenkonsum testen, um einen Eindruck vom Missbrauch an der Schule zu bekommen.

So fischten die Polizisten schließlich 29 der insgesamt 435 Schüler heraus, die meisten zufällig – einige aber auch wegen eines nicht näher begründeten Verdachts – und testeten deren Urin auf Drogen.  Einige Schüler weigerten sich. Konkrete Zahlen nannte Sarstedts Polizeichef Hans Müller anschließend nicht, aber die Zahl der positiven Drogenbefunde soll sehr gering gewesen sein. Müller zeigte sich anschließend aber alles andere als beruhigt. Im Gespräch mit dem KEHRWIEDER sagte er: „Der Anfangsverdacht hat sich bestätigt. Es gibt da ein Problem an der Schule.“ Einwände, dass es vermutlich an jeder Schule mehrere Schüler gebe, die Cannabis konsumieren, will Müller nicht gelten lassen – die sei eher besorgniserregend, auf keinen Fall ein Grund zur Beruhigung. Er schließe auch weitere Kontrollen nicht aus, erklärte der Sarstedter Polizeichef.

Konkrete Hinweise auf Dealernetzwerke hat die Aktion nicht gebracht, die Beamten ermitteln nun bei den ertappten Schülern weiter: Woher stammen die Drogen, wann haben sie sie genommen, wie lange nehmen sie sie schon? Besorgt zeigte sich Müller über die Tatsache, dass an der Marienbergschule offensichtlich schon Zwölfjährige Drogen konsumieren. Er appelliert an die Eltern, ihrer  Fürsorgepflicht nachzukommen. „Dort liegt in erster Linie der Erziehungsauftrag. Es gibt leider eine Verlagerungstendenz dahin, dass Erziehungsaufgaben immer öfter von den Schulen übernommen werden müssen und letztlich die Polizei eingreifen muss.
Der Schulleiter der Marienbergschule will nun intensive Gespräche mit den Eltern führen und mit ihnen zusammen Ideen sammeln, wie Schule und Eltern gemeinsam noch mehr für die Drogenprävention tun können. Er verteidigt die Aktion als „mutig“ und hält sie nach wie vor für richtig. Mehr darf er nicht sagen: Aufgeschreckt durch den Wirbel im Landtag hat die Landesschulbehörde das Auskunftsrecht an sich gezogen.

Quelle:
http://www.kehrwieder-verlag.de/epaper/20100516/pdf/0516_Kewi_HP_08.pdf

Noch interessanter ist ein Bericht eines Betroffenen, der sich geweigert hat an diesem (rechtlich wohl sehr bedenklichen) Test teilzunehmen:

An dem besagten morgen kam ich wie gewöhnlich in die Schule. Alles war normal. Wir hatten regulären Unterricht in unseren Räumlichkeiten. In der 3. Stunde kam mit einem mal ein Herr der Polizei Sarstedt mit dem Schulleiter in unseren Klassenraum. Er bat 3 Leute aus meiner Klasse hinaus, ohne Nennung von Gründen. Er hatte uns zufällig ausgewählt. Draußen wurde uns unter Beisein des Jugendamts, der Polizei und des Schulleiters erklärt das wir eine Urinprobe abgeben sollen um auf Drogenkonsum zu testen. Ich weigerte mich, da ich nicht einsah wieso ich mein Urin ohne Verdacht abgeben solle. Der Schulleiter erklärte mir unter Beisein der Polizei sofort was das für folgen hat. Meine Eltern sollten informiert werden, desweiteren wurde mir gesagt das die Polizei und die Lehrer jetzt ein Auge auf mich haben würden.

(Hervorhebung von mir)

Hoffentlich wird diesem Verhalten des Schulleiters und der Polizei bald schon ein Riegel vorgeschoben. Denn wenn ein Verdacht schon dazu aussreicht die Persönlichkeitsrechte anderer zu untermauern kann ja demnächst jeder einfach mal die Wohnung seines (ungeliebten) Nachbarn wegen eines “Verdachts” von der Polizei durchsuchen lassen.

Neben der Reaktionen der im Landtag vertretenen Parteien wird übrigens auch bei der Piratenpartei über eine angemessene Reaktion beraten. Hierzu in den nächsten Tagen mehr.

Update: RTL Niedersachsen hat über die Aktion berichtet:
http://www.rtlregional.de/player.php?id=10748
Ich persönlich finde es erschreckend, wie wenig sich die interviewten Schüler & Eltern über Persönlichkeitsrechte Gedanken machen!

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